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Die Dominikanerinnen Von Der Heiligen Katharina Von Siena, Irak
Wednesday, 12 January 2011 12:59
DSI-NEWSLETTER vom DEZEMBER 2010
 
 
     „Zu Beginn unserer Gründung im Jahre 1877 war es den Schwestern bereits klar, dass Unwissenheit und Analphabetismus die gefährlichsten Übel in der Gesellschaft sind.“
 
     Es hat mich gefreut, dass ich gebeten wurde, etwas über unsere Kongregation und unsere Mission in Irak zu schreiben; denn das macht es mir möglich, ein anderes Bild unseres Landes zu zeigen, als es in den Medien geschieht. Leider stimmt es, dass es in Irak Krieg, Gewalt, Zerstörung und Elend gibt; jedoch versuchen auch viele Bürger dieses Landes, den Staub wegzublasen, so dass die wirkliche Schönheit des Antlitzes von Irak wieder sichtbar werden kann. Viele tausend Jahre hat Irak der Menschheit gedient. Hier wurden die ersten Grundlagen von Kultur und Zivilisation gelegt.
 
     Zu den vielen Menschen, die sich nach Frieden und Sicherheit sehnen und dafür arbeiten, gehören die Schwestern meiner Kongregation. Sie versuchen, Gottes Gegenwart mitten im Chaos von Hass und Intoleranz möglich zu machen. Das mag wie ein Traum klingen, aber es ist ein Traum, den wir mit Gottes Hilfe täglich in kleinen Ereignissen erfüllt sehen, während wir auf die Rückkehr von Frieden, Sicherheit und eine gute Regierung in unserem Land hoffen und dafür beten.
 
     Wir wollen als irakische Dominikanerinnen unsere Berufung leben, als christliche Frauen, die von Gott gerufen sind, zuerst BEI IHM ZU SEIN und ANDEREN ZU DIENEN. Also ist es unsere Aufgabe, auf die Bedürfnisse unserer Gesellschaft und unserer Kirche zu reagieren. Zu Beginn unserer Gründung im Jahre 1877 war es den Schwestern bereits klar, dass Unwissenheit und Analphabetismus die gefährlichsten Übel in der Gesellschaft sind. Innerhalb weniger Jahre eröffneten die Schwestern deswegen Kindergärten und Schulen für Mädchen in Dörfern, wo es vorher nur für Jungen Unterricht gab. Sie setzten auch so genannte „Sonntagsschulen“ ein. Dort gingen die Frauen damals zur Kirche und trafen sich nach der Messe zum Glaubensunterricht. Das Ziel der Schwestern war immer die Bildung und Entwicklung von Frauen.
 
     Wie das ganze irakische Volk litten auch die Schwestern unter der wirtschaftlichen Not und der Gewalt durch die Sanktionen und den Krieg von 1991 – 2003. Während der Jahre der Isolation und des Wirtschaftsembargos blieben viele verletzte Menschen unversorgt und ohne Ausbildung, besonders Frauen. Diese erbärmliche Situation drängte die Schwestern dazu, nach Möglichkeiten zu suchen, um den Frauen zu helfen. Folglich wurden Kurse für einige Berufe, die die Schwestern zu Beginn anboten, nun ausgebaut, um den Frauen zu helfen, besonders den Arbeitslosen, für ein kleines Einkommen zu arbeiten, mit dem sie ihre Familien unterstützen und selbst in Würde leben konnten. Außerdem öffneten die Schwestern zwei ihrer Konvente, in Bagdad und in Mossul, und nahmen Mädchen aus bedürftigen Familien, besonders Waisenkinder, auf. Für die Krankenversorgung von Frauen verwandelten die Schwestern 1992, zu Beginn der Sanktionen, einen ihrer Konvente in Bagdad in eine Entbindungsklinik, in der Mütter und ihre Babys versorgt wurden. Dieses Projekt wurde verwirklicht, weil es überall im Land an Gesundheitsdiensten fehlte.
 
     Sieben Jahre nach der Besatzung durch Amerikaner und Briten sind die Auswirkungen des Krieges und der damit verbundenen Gewalt enorm. Deshalb fühlen sich die Schwestern verpflichtet, Orte zu schaffen zum Treffen, Heilen und Versöhnen. Der Schaden, der der Infrastruktur in unserem Land und den Menschen während der vergangenen sieben Jahre zugefügt wurde, ist immer spürbar. Das irakische Volk fragt überall nach den Gründen für diesen Schaden, aber niemand erhält eine Antwort darauf. Heute wird Irak der Arche des Noah ähnlich, in der es Lebewesen jeder Art gab. Es erstaunt, welche Vielfalt das Land nun besitzt. Alle Typen von Menschen kann man in Irak finden: Friedensarbeiter und Terroristen, Arme und Reiche, Gebildete und Ungebildete.
 
     Und mitten in dem allen versuchen wir Dominikanerinnen, uns zu recht zu finden, damit wir auf dem Weg zum Frieden gehen können. Wir stellen keine solchen Fragen mehr wie z.B. wer verantwortlich für all das ist, was passiert ist; warum Tausende unschuldiger Menschen getötet worden sind; warum Millionen auf der Suche nach einem besseren Leben in andere Länder ausgewandert sind; warum die Christen gequält und aus ihrem Heimatland herausgerissen werden. Wir wissen, dass uns niemand diese Fragen beantworten kann. Wir sehen ein, dass die Suche nach Antworten uns nur lähmt und unser Leben zum Stillstand bringt. Wir sehen ein, dass es sehr gefährlich ist, nur dazustehen, zu weinen und uns für Opfer zu halten. Das würde unsere Augen und unseren Geist verschließen und das in uns töten, was unsere Tage erleuchten und der vergänglichen Welt Leben bringen könnte. Deshalb engagieren wir uns und übernehmen Verantwortung für den Wiederaufbau von Irak. Unser Ziel ist es, Projekte einzurichten, die es uns ermöglichen, solidarisch mit unserem verwundeten Volk zusammen zu leben. Wir bleiben wegen der Menschen in Irak: Wegen der Armen, wegen der Witwen und ihrer Kinder, wegen der Schwachen, wegen der Menschen, die glauben, dass Irak noch eine Zukunft hat. Um sie auf ihrer Glaubensreise und in ihrem täglichen Leben zu stützen, nehmen wir mit ihnen zusammen teil am Wiederaufbau unseres Landes.
 
     Was die Praxis betrifft, so sind wir nun engagiert bei einem neuen Projekt der Zusammenarbeit, das uns sehr ermutigt. Es handelt sich um einen Dominikanischen Komplex, in dem es eine Geburtsklinik, eine öffentliche Universität und ein Gymnasium für Mädchen gibt, und das eröffnet worden ist als Zentrum für Begegnungen zwischen verschiedenen Religionen. Die Kongregation war tatsächlich in der Lage, offiziell zwei ihrer Schulen zu renovieren, eine in Bagdad und eine in Telkef, und sie ging das Risiko ein, sie wieder zu eröffnen und zu leiten, trotz des Mangels an Sicherheit, als ein Zeichen der Hoffnung für die Jugend und die benachbarten Familien. Die Schwestern merken, dass andere Religionen, besonders die Muslime, den Diensten der Schwestern trauen und diese schätzen, weil sie nicht parteiisch auf einer Seite und nur für eine Religion stehen.
 
     Von Anfang an war es den Schwestern klar, dass die Ausbildung der Schwestern, besonders der jungen Schwestern, für unseren Erfolg unumgänglich ist. BILDUNG IST MACHT, und wenn wir teilhaben wollen am Wiederaufbau von Irak, müssen wir selbst ausgebildet sein, wenn wir andere ausbilden wollen. Damit das möglich wurde, halfen uns Dominikanerinnen von anderen Kongregationen. An erster Stelle errichteten sie Brücken der Solidarität und der Liebe, um uns nach den Sanktionen aus unserer Isolation zu befreien. Mit ihrer moralischen und finanziellen Unterstützung konnten viele von uns höhere Studienabschlüsse erreichen. Die Dominikanerinnen von der heiligen Katharina von Siena, Newcastle Natal (die Bushie Schwestern) kamen als erste auf unsere Kongregation zu, und dann folgten andere dominikanische und auch nicht-dominikanische Kongregationen aus Europa und Amerika und halfen auf großzügige Weise. Diese Hilfe ist ein Zeichen der Solidarität und ein lebendiger Beweis von Gottes Fürsorge und Liebe. . Herzlichen Dank allen Schwestern, die uns geholfen haben! Diese Hilfe ist wie ein Stock, auf den wir uns stützen können, um unsere Reise fortzusetzen.
                                                                                                                                                    
 
( Nazik Matty OP)
    
         
 
 

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